oder: kreative Höhendiagrammerstellung mit kommerzieller Software

Wie werden eigentlich die Höhendiagramme erstellt, die auf dieser Seite dargestellt sind? Nun, es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man das machen kann.

Einige Möglichkeiten hat "Dr Lälles" hier mal gegenüber gestellt und zeigt, wie gut oder schlecht das Ganze funktioniert.  

Möglichkeit 1

Mit Hilfe kommerzieller Software kann man Strecken messen und auch Höhenprofile erstellen.

Zur Zeit gibt es im wesentlichen zwei Programme auf dem Markt. Zum einen das Top 50 Kartenmaterial der Landesvermessungsämter (www.lverma.nrw.de) und das Programm MagicMaps der Firma MagicMaps GmbH (www.magicmaps.de). Beide Programme kann man auf CD kaufen (s. Webseiten).

Die Daten der Top 50 CD wurden verwendet, um die Karten mit den Strecken darzustellen. Mit beiden Programmen kann man die Streckenlänge halbwegs genau ermitteln. Abweichungen sind durch die vereinfachte Darstellung von Wegen im Bereich von Abzweigungen begründet. Außerdem findet man nicht unbedingt jeden Weg wieder - einige fehlen - und dann ist etwas kreative Arbeit notwendig. So weit, so gut ...

Jetzt aber zur Höhenprofilerstellung. Das Höhenprofil bekommt man bei beiden Programmen per Knopfdruck, wobei diese Option besser nicht drin wäre. Sie liefert nämlich teilweise grausame Ergebnisse, die mit der Realität nicht viel zu tun haben.

Als Beispiel hier ein Screenshots mit dem Testbeispiel Breitenbach-Talsperre.

Zuerst MagicMaps:



Dem Bildchen nach sind das also 114.57 Höhenmeter für eine Runde um die Breitenbach-Talsperre. Zunächst freut man sich über die zentimetergenaue Angabe der Höhenmeter, wobei man dann beim zweiten Hingucken sich doch etwas weniger freut. Über 114 Höhenmeter erscheinen bei der doch recht flachen Strecke etwas viel. Mal schnell nachrechnen: 8 Runden um die Breitenbach-Talsperre ergeben etwa die Marathon-Distanz, macht dann 916.35 Höhenmeter (zentimetergenau ausgerechnet). Toll, dagegen sieht der ein oder andere Bergmarathon ja schon fast flach aus!

OK, wer es jetzt noch nicht gemerkt hat - das ist ein ziemlich schlechter Witz. Tatsächlich hat eine Runde in etwa 30 Höhenmeter (weiteres dazu kommt weiter unten). Daß die Software fast die vierfachen Höhenmeter berechnet ist schon ziemlich traurig. Alleine auf den ersten 400 Meter der Strecke (das ist die völlig ebene Staumauer) ermittelt das Programm 10 Meter Gefälle und 20 Meter Steigung.

Jetzt als Alternative das Top 50 Programm:



Wer gedacht hat, daß das jetzt besser aussieht, hat Pech gehabt. Auch hier ein ziemlich zackiges Auf und Ab bei einer Strecke, die in der Realität kontinuierliche Steigungen und Gefällstücke hat. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt des Höhenprofiles liegen hier etwa 60 Meter - und das bei in etwa 15 Metern in der Realität. Immerhin verzichtet die Software auf eine zentimetergenaue Angabe der Höhenmeter. Die Summation fehlt hier ganz, so daß man hier keine Aussage über die gesamten Höhenmeter machen kann. Das Ergebnis dürfte aber ähnlich schlecht aussehen.  

Möglichkeit 2

Als zweite Möglichkeit bietet sich an, die Höhenmeter auf der Strecke direkt nachzumessen. Als relativ einfache und doch halbwegs genaue Methode hat sich das Messen mit barometrischen Geräten bewährt. Hier wird der Luftdruck gemessen und die Abnahme des Luftdrucks als eine größere Höhe gewertet. Wenn das Wetter nicht umschlagen und absolute Windstille herrschen würde, dann wäre das eine exakte Sache. Leider ist das natürlich nicht so, aber über kürzere Zeiträume kann man schon ganz brauchbare Ergebnisse erhalten.

Moderne Pulsmesser, wie der hier verwendete Polar S625X, haben einen solchen Höhenmesser eingebaut und können die Daten z.B. alle 5 Sekunden speichern. Mit Hilfe des Fußsensors der Polar S625X kann zusätzlich die Strecke bestimmt werden, so daß man die Höhenprofile streckenabhängig ermitteln kann.



Das Bildchen zeigt die Meßdaten von einem Lauf über 3 Runden um die Breitenbach-Talsperre. Die Luftdruckschwankungen führen zu Abweichungen und das ganze Profil ist etwas zackig, weil die Werte auf jeweils einen Meter gerundet werden.

Wenn man jetzt die Meßdaten noch etwas glättet, dann sehen die Profile etwas besser aus und dürften relativ genau sein, wenn man davon ausgeht, daß sich Luftdruckschwankungen nach oben und unten ausgleichen. Das sieht dann so aus:



Die Höhenprofile bei den Streckenbeschreibungen wurden auf diese Art ermittelt.  

Möglichkeit 3

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich die Grundkarten des Landesvermessungsamtes anzusehen. Für NRW kann man das Kartenmaterial online unter www.tim-online.nrw.de einsehen. Hier findet man auch Höhenangaben, die aber nur punktweise vorhanden sind. Unten sieht man z.B. einen Ausschnitt der Breitenbach-Talsperre mit 3 Meßpunkten (372.4 m , 372.6 m und 373.2 m).



Der Vorteil der Grundkarten besteht in der recht genauen Erfassung der Wege - sie sind wesentlich genauer als die Karten von Top 50 und MagicMaps und enthalten wirklich alle Wege. Selbst kleine Trampelpfade sind dort noch detailgenau eingezeichnet.

Die Berechnung der Streckenlängen bei den Streckenbeschreibungen wurde mit Hilfe dieser Karten gemacht.  

Fazit

Wenn man im Internet auf Höhenprofile und Höhenangaben von Laufstrecken trifft, dann sollte man sehr kritisch sein. In vielen Fällen sind mit MagicMaps erstellte Höhenprofile dargestellt, die teilweise zu extremen Übertreibungen führen können (s. Beispiel oben). Dies ist insbesondere bei Wegen der Fall, die an Hängen entlang führen. Bei sanften Geländeübergängen sehen die Höhenprofile etwas realistischer aus, aber eine Übertreibung von 20%-30% hat man dann in der Regel auch noch.

Die Ursache hierfür liegt in der Tatsache, daß bei den Programmen die Datenpunkte in einem Gitter mit Abständen von ca. 50 m abgespeichert sind. Wenn man z.B. über die ebene Staumauer an der Breitenbach- Talsperre läuft, dann findet das Programm unter Umständen einen Höhenpunkt, der im Tal vor der Staumauer liegt oder auf der anderen Seite im Wasser. Das führt dann zu zusätzlichen Höhenmetern, die man gar nicht läuft. Ebenso ist zu beachten, daß die Höhendaten aus Satellitenmessungen stammen und nicht exakt sind. Die Abweichungen liegen typischerweise bei 2-3 Metern, in Waldgebieten deutlich darüber.

Also: doch kein Bergmarathon an der Breitenbach-Talsperre ...