oder: wie schnell würde ich laufen, wenn ich ein 30-jähriger Mann wäre...

Jeder der nicht mehr ganz jungen Läufer kennt das Problem, daß man von Jahr zu Jahr älter wird und damit leider auch langsamer. Die früher einmal erreichten Bestzeiten rücken in unerreichbare Ferne und das Ziel, das die jüngeren Läufer haben, nämlich schneller zu werden, kann man nicht mehr erreichen. Damit fällt ein Teil der Motivation weg.

Zum Glück gibt es ja Altersklassenwertungen, so daß man sich mit seinesgleichen messen kann. Bei vielen Läufen gibt es in den höheren Altersklassen oftmals interessante Duelle, die leider in der Berichterstattung untergehen, weil diese Läufer in der Gesamtwertung nicht im vordersten Bereich landen. Dabei werden dort oftmals sehr gute Leistungen erzielt, die teilweise höher einzustufen sind als die der Sieger eines Laufes.

In diesem Bericht versucht "Dr Lälles" die Leistungen unterschiedlich alter Läufer zu vergleichen und auf einen Einheitswert umzurechnen. Nicht nur das Alter, sondern auch der Unterschied zwischen Frauen und Männern läßt sich auf diese Weise herausrechnen und somit ein Vergleich nach dem Motto "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist denn nun der Beste im Land" ziehen. Das ganze sollte man natürlich nicht bierernst nehmen, weil der Blick in den Spiegel eher ein Blick in die Kristallkugel ist und nicht hundert prozentig genau ist. Diese Umrechnung kann auch eine kleine Motivationshilfe für die älteren Läufer sein, weil man dann sehen kann, wie die eigene Leistung im Verhältnis zu den oftmals viel jüngeren Konkurrenten einzuordnen ist.  

Die Basis: Auswertung von Laufergebnissen

Die Grundlage für die Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Altersgruppen wurden von Helge Schroeter-Janssen untersucht, der auf seiner Homepage die Ergebnisse von 24413 Läufern bei einer 25km-Laufveranstaltung protokolliert und ausgewertet hat, d.h. es geht hier um die Ausdauerfähigkeit und nicht um die Sprintfähigkeit unterschiedlicher Läufer. Die gesamte Herleitung kann man hier nachlesen. Hierbei ist zu bemerken, daß die Ergebnisse der absoluten Spitzenläufer nicht in der Berechnung enthalten sind, um nicht Profiläufer mit Hobbysportlern zu vergleichen.

Das Ergebnis ist in dem folgenden Diagramm abzulesen.



Auf der unteren Achse ist das Alter aufgetragen, das hier von 16 bis 82 Jahren geht. Auf der vertikalen Achse ist die prozentuale Leistungsfähigkeit angegeben (1.0 entspricht 100%).

Bei der blauen Kurve für die Männer erkennt man, daß die maximale Leistungsfähigkeit im Alter von etwa 30 Jahren erreicht wird. Bis zum Alter von 40 Jahren verringert sich die Leistungsfähigkeit kaum, d.h. ein 40-jähriger Mann ist theoretisch nur 2 % langsamer wie ein 30-jähriger. Aber auch schon ein 16-jähriger liegt in etwa bei 96 % der Leistungsfähigkeit eines 30-jährigen. Mit 80 Jahren hat man in etwa noch die halbe Leistungsfähigkeit, d.h. ein 80-jähriger, der doppelt so lange für eine Strecke benötigt wie ein 30-jähriger, hat eine vergleichbare Leistung erbracht. Hier muß man allerdings berücksichtigen, daß für ein solch hohes Alter nur wenige Ergebnisse vorliegen und die Daten daher streuen und ungenauer sind.

Bei den Frauen (rote Kurve) ergibt sich ein ähnliches Bild. Die maximale Leistungsfähigkeit im Langstreckenbereich wird hier erst mit 35 Jahren erreicht, also 5 Jahre später wie bei den Männern. Ansonsten ergibt sich ein ähnliches Bild. 10 Jahre älter oder jünger als das Idealalter von 35 Jahren machen nur etwa 3% Leistungsunterschied aus. Insgesamt verläuft die Kurve bei den Frauen etwas steiler als bei den Männern.  

Umrechnung auf das Idealalter

Mit Hilfe dieses Diagramms kann man nun die altersabhängig erzielte Leistung eines jeden Läufers auf das Idealalter umrechnen. Wenn z.B. ein 40-jähriger Mann (Leistungsfaktor 0.981) 40 Minuten über 10 km benötigt, dann entspricht das einer Zeit von 39:14,4 min für einen 30-jährigen Mann. Würde ein 60-jähriger Mann (Leistungsfaktor 0,827) diese Leistung erbringen, so entspricht das schon einer Zeit von 33:04,8 min für einen 30-jährigen Mann.

Wenn man in die Ergebnislisten der Laufveranstaltungen sieht, dann erkennt man, daß die schnellsten Läufer häufig in der Klasse M30 oder M35 starten, was diese Kurve bestätigt. Aber auch Läufer in der Altersklasse M40 oder M45 sind oftmals nicht so viel langsamer. Auch das scheint die Kurve zu bestätigen.

Auf die gleiche Weise kann man die Leistungen bei den Frauen auf die einer 35-jährigen Frau umrechnen. Die Zeit von 40 Minuten für eine 16-jährige (Leistungsfaktor 0,903) entspricht dann einer 36:07,3 min, was schon eine sehr ordentliche Leistung wäre.

Auf diese Art und Weise kann man die Leistung auf das Normalter umrechnen und die Ergebnisse vergleichen.  

Vergleich zwischen Frauen und Männern

Als weiteren Schritt sollen jetzt noch die Leistungen von Männern und Frauen in einen gemeinsamen Topf geworfen werden. Wenn man sich die Weltrekorde in den Laufdisziplinen ansieht, dann stellt man fest, daß zwischen den Leistungen von Frauen und Männern auf so ziemlich allen Streckenlängen, d.h. angefangen vom 100m-Sprint bis hin zum Marathon, in etwa 10% Leistungsunterschied liegen. Die Werte streuen ein wenig, aber tendenziell ist das ein guter Mittelwert. Um also Männer und Frauen zu vergleichen, werden bei den Zeiten der Frauen 10% abgezogen und somit alle erzielten Leistungen auf die eines 30-jährigen Mannes umgerechnet.

Es gilt also folgende Berechnungsvorschrift:

Vergleichszeit = Gelaufenene Zeit * Altersfaktor * Geschlechtsfaktor

Den geschlechtsabhängigen Altersfaktor liest man aus dem o.a. Diagramm ab und für den Geschlechtsfaktor setzt man bei Frauen 0.9 ein (entspricht einem Abzug von 10%) und bei Männern 1.0.